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[quote="oszi"][quote="Gast"]Hallo Oszi,
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Die Diktatur des Proletariats kommt darin jedoch nicht vor. Und genau sie macht das Wesen der sozialistischen Gesellschaft aus, wenn es um die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gehen soll. Dass der "Grossteil der Bevölkerung" irgendwo "Revolution macht", hast Du sicherlich bei keinem Klassiker des Marxismus-Leninismus lesen können, sondern Dir selbst so zusammengereimt. Meinst Du ernsthaft, dass "der Grossteil der Bevölkerung" Russlands an der Oktoberrevolution beteiligt war? Meinst Du ernsthaft, dass "der Grossteil der Bevölkerung" 1952 in der DDR eine sozialistische Gesellschaft unbedingt aufbauen wollte? Hast Du Dich jemals mit der Frage beschäftigt, was das gesellschaftliche Bewusstsein ausmacht, aus welchen Teilen es besteht? Was beispielsweise "Alltagsbewusstsein" oder "wissenschaftliches Bewusstsein" ist? ....... Osiel[/quote]
Meinst du nicht, dass es zur Konterrevolution 1989/90 kam, weil man es verabsäumte, die unterdrückten Klassen einzubeziehen anstatt anzuweisen und zu administrieren? In der Bevölkerung wusste man manchmal nicht, bin ich Ausbeuter oder Prolet. Mancher Nachkömmling eines Pfaffen legte das Gelöbnis der Jugendweihe ab und konfimierte sich im nächsten Jahr. Solche Wendehälse wurden gefeiert. Aber wehe, ein Abiturient ging nicht mindestens 3 Jahre zur Armee (NVA). Das Ergebnis der Ignoranz gegenüber der eigenen Bevölkerung liegt gegenwärtig auf der Hand. Wir haben kein Recht, dem Volk Vorwürfe zu machen - im Gegenteil - das Volk hat ein Recht, zu erfahren, warum es jetzt in dieser besch.... Lage ist, warum es hierzulande in manchen Wohngebieten aussieht, wie nach dem Krieg, usw. usw..[/quote]
Hallo Oszi,
jeder kann seine eigene Meinung haben und vertreten. Du Deine, ich meine.
Zu Deinen recht merkwürdigen Aussagen, die die DDR Mitte und Ende der 80er Jahre betreffen. Weil "unterdrückte Klassen nicht einbezogen werden", soll es danach "zu einer Revolution gekommen sein".
Sorry, gehen wir mal in die Geschichte der Revolutionen:
Bei der Oktoberrevolution hatte der Zar sorry Kerenski vergessen, unterdrückte Klassen "einzubeziehen", weshalb der Panzerkreuzer "Aurora" dann Schüsse abfeuerte und rote Garden des revolutionären Proletariats das Winterpalais in St. Petersburg stürmten? Ich setze mal entgegen, dass ein Grossteil der Arbeiter in den 1. Weltkrieg als Kanonenfutter einbezogen war. Was den Vorteil (für die Revolutionäre) hatte, dass dieser Grossteil der Arbeiter bewaffnet war und als Kieler Matrosen oder sonstige bewaffnete Einheiten unter Führung rasch spontan gewählter Arbeiter- und Soldatenräte die regionalen Aufstände durchführte. Wie zu sehen ist, war die Arbeiterklasse stets einbezogen in die Gesellschaft, ebenso die Sklavenklasse zu Zeiten von Spartacus und die Bauernklasse zu Zeiten des Feudalismus. Quod erat demonstrandum, was zu beweisen war! Und per Fakten bewiesen ist.
Nun mag ja sein, dass es für Dich 1949-1989 in der DDR die "Klasse der Bonzen" contra "Klasse der Nichtbonzen" gegeben haben soll. So sahen es in der Tat ja zu DDR-Zeiten auch einige Menschen, nicht etwa nur der braunschwarze Bänkelsänger Biermann im Geldrausch ihn besuchender D-Mark-Bringer. Dass die ach so privilegierten "Bonzen" lediglich einen erbärmlich zu nennenden Luxus im Wandlitzer Reihenhäuschen hatten, konnte jedoch dem aufmerksamen Beobachter jener Zeiten nicht entgehen. Weshalb da also die Legende von der angeblichen Bonzendiktatur zwecks Privilegiensicherung schlicht in sich zusammengebrochen ist, zumal wir es kraft "Amigo"- und ähnlichen Seilschaften mit wirklichen Bonzenklüngeln in all den öffentlich-rechtlichen Privilegienspar- und Schweinefonds anschaulich zu tun bekommen haben, seit wir mit denen zumindest territorial vereint wurden.
Ich kann nur schwer empfehlen, mal bei Kurt Gossweiler nachzulesen, wie es zum Ende der DDR zwangsläufig gekommen ist. Schabowskis Maueröffnung ein Zufall? Wer dies glaubt, mag selig werden ... ich will eh in die Hölle!
"In der Bevölkerung wusste man manchmal nicht, bin ich Ausbeuter oder Prolet." Wenige Verwirrte gab es. Ich kannte jahrzehntelang in der DDR niemanden mit konkret diesem Problem.
"Mancher Nachkömmling eines Pfaffen legte das Gelöbnis der Jugendweihe ab und konfimierte sich im nächsten Jahr. Solche Wendehälse wurden gefeiert." Bitte, wo gab es denn Feiern dieser Art in der DDR? Ich habe weder so eine Feier dort jemals erlebt noch von solchen Feiern seinerzeit irgendwo was gehört. Lebtest Du in einem Paralleluniversum?
"Aber wehe, ein Abiturient ging nicht mindestens 3 Jahre zur Armee (NVA)." Ein Drittel der Abiturienten absolvierte lediglich 18 Monate Grundwehrdienst. Was passierte denen denn nun Schlimmes? Sie studierten. Sie arbeiteten später. Mag ja sein, daß dieses Schicksal sie ganz übel traf. Jedoch konnte ich kein Weh und Ah ihrerseits jemals seinerzeit erleben. Daher vermute ich erneut, dass wir auf zwei verschiedenen Planeten lebten. Ich bin dann mal gerne das Marsmännchen, oki?
Zuletzt schreibst Du: "Das Ergebnis der Ignoranz gegenüber der eigenen Bevölkerung liegt gegenwärtig auf der Hand. Wir haben kein Recht, dem Volk Vorwürfe zu machen - im Gegenteil - das Volk hat ein Recht, zu erfahren, warum es jetzt in dieser besch.... Lage ist, warum es hierzulande in manchen Wohngebieten aussieht, wie nach dem Krieg, usw. usw."
Ich erlebte keine Ignoranz, ich erlebte sehr viele Versammlungen. Wo Fragen gestellt wurden, wo diskutiert wurde. Wer wollte, ging hin und machte den Mund auf. Und daß es mancherorts wie nach dem Krieg aussah, war durchaus Thema. Und dann wurde sehr wohl erklärt, dass die DDR auf den Trümmern nun mal jenes von den deutschen Hitlerfaschisten zu verantwortenden verheerenden 2. Weltkrieges entstanden ist. Daß Flächenbombardements der Westalliierten 1945 schwerpunktmäßig die künftig sowjetisch besetzten Gebiete Deutschlands in Schutt und Asche legten, während mit US-Kapitalbeteiligung produzierende Werke wie FORD in Köln oder das heutige Bayerwerk in Leverkusen tunlichst von Bomben verschont blieben. Und fahre doch bitte mal nach Gelsenkirchen oder Duisburg oder in saarländische Industrieregionen, dann siehst Du auch "Gegenden wie '45".
Wichtiger ist doch wohl, daß der Wohnungsbau in der DDR bestens vorankam, so daß zumindest Mitte der 80er Jahre das Wohnungsproblem als gesellschaftliches Hauptproblem, wie es so schön hieß, faktisch gelöst war. Dies alles bei sehr bezahlbaren Mieten und sehr erträglichen Wohnnebenkosten. Dies ist wohl das Gegenteil von Ignorieren der Grundbedürfnisse der Menschen, wenn ein sozialistischer Staat massiv in den öffentlichen Wohnungsbau investiert und der ganz große Teil der Bevölkerung davon den Nutzen hat. Denn die sozialen Menschenrechte sind nun mal
- Recht auf ausreichende Ernährung - Recht auf angemessenes Wohnen - Recht auf Arbeit mit zufriedenstellendem Lohn und guten Arbeitsbedingungen - Recht auf Frieden - Recht auf Zugang zu Bildung und Kultur - Recht auf angemessene Kleidung usw.
Daß die DDR-Regierung Grundbedürfnisse der DDR-Bevölkerung ignoriert haben soll, ist Geschwätz des damaligen Klassengegners. Was alles nicht heißt, daß die DDR etwa das Arbeiter- und Bauernparadies auf Erden gewesen sein soll. Dies war sie nicht. Aber sie hatte die weltweit fortschrittlichste Arbeitsgesetzbung! Nirgendwo auf der Erde haben jemals Arbeiter mehr Rechte gehabt als in der einstigen DDR.
Ignoranz? Wer Honecker sprechen wollte, konnte sich für seine Bürgersprechstunde anmelden gehen. Die Wartezeiten waren da nicht kurz. Immerhin war es möglich, direkt mit Honecker zu sprechen. Hast Du mal beim Bundespräsidialamt für ein Gespräch mit dem höchsten Staatsmann Teutoniens, dem Bupräs, angefragt? Ich habe dies mal getan. Antwort: Er gewährt keinerlei Bürgersprechstunde. Punkt. Soviel zum Thema Ignoranz gestern in der Tätärä und heute in Teutonien.
Die DDR-Bevölkerung hatte die riesengroße Möglichkeit, sich den Marxismus-Leninismus anzueignen und als bewusste schöpferische Kraft der Volksmassen Richtung Kommunismus voranzukommen. Wie sich heute anhand der 2,3 Millionen immer noch aktiven kommunistischen Helden und Kämpfer im Osten (vorsicht, bittere ironie!) zeigt, blieb die Masse der deutschen Bevölkerung auch im Osten lediglich scheinheilig und obrigkeitshörig. Die SED verkam zum Karrieristenstadl. Weiter reichte das Massenbewusstsein nicht. Und dies in einem Lande, wo 40 Jahre lang Marxismus-Leninismus Hauptfach des gesamten Volksbildungssystems war. Auf der Grundlage von Originalschriften der Klassiker des Marxismus-Leninismus. Die "Rotlichtbestrahlung" verfing also nicht. Die Konsumgeilheit hingegen wurde immer ausgeprägter. Zu den Hintergründen bitte bei Kurt Gossweiler nachlesen!
"Das Volk hat ein Recht ..." das ist doch Blödsinn und falsch! Das Volk muß sich sein Recht bitte erkämpfen. Wenn es Unrecht hinnimmt, dann wird es mit Unrecht zu leben haben. Siehe Teutonen anno 2008. Das Volk der Tätärä konnte über seine Staatsverfassung per Volksabstimmung entscheiden. Gab es dies jemals für die heute lebenden Teutonen in Teutonien? "Das Volk hat ein Recht...", - das ist lächerliche Phrasendrescherei, nichts weiter! Wo soll denn dieser auf wundersame Weise geltende Rechtsanspruch des Volkes herkommen? Soll Gott dies garantieren? Na dann bete mal fleißig weiter und erleide die Höllenqualen schon bei Deinen Illusionen auf Erden, ich lache mich derweil über all die Untertanengeister im Volke der Teutonen kaputt und lecke mit an den schmerzenden Wunden der letzten paar aufrechten Kommunisten in jener antikommunistisch gleichgeschalteten spießigen Einöde dort. Ich schaue bei all dem lieber woandershin. Dorthin, wo sich was tut. Die Welt ist groß, und Teutonien ist längst nicht der Nabel der Welt.
Schönes Wochenende ins Forum, Osiel
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